Die Produktion

Von der Wolle zum Filzjuwel

Autorin: Ludmilla von Bohnenstroh I, Schafwollexpertin, Vorsteherin des Hofmarschallamtes, zuständig für sämtliche wirtschaftliche Belange

In der Filzreich®-Manufaktur entsteht nicht irgendein x-beliebiger Filz, etwa weil sich die Vierbeiner der Bevölkerung nicht brav kämmen lassen, sondern Schafwollfilz. Die meisten Tierfreunde und auch DreadlockträgerInnen kennen bestimmt diese kleinen, verfilzten, unförmigen Haarbüscheln, -strähnen oder -knoten, die sich besonders in langhaarigem Tierfell bilden. In extrem verwickelten Fällen – besonders bei Pferdemähnen – ist der Griff zur Schere oft der letzte Helfer in der Not. Eher könnten Sie nämlich mit einem Wimpernschlag den gordischen Knoten lösen als die Haare eines verfilzten Haarknäuels. Ich kenne kaum jemanden, der diese verfilzten Dinger mag. Ganz anders verhält es sich bei den Feltinis® – sie werden gerade wegen ihrer Verfilztheit geliebt! Ihre einzige Existenzberechtigung ist es schließlich ein einzigartiger, gezielt verfilzter Schafwollhaufen zu sein. Denn aus nichts anderem bestehen sie als eben büschelweise verfilzter, gekräuselter Schafhaare. Verfilzt noch mal, Sie dürfen mir das ruhig glauben! Obwohl ich einräume, dass der Vergleich mit einem verfilzten, unförmigen Wollbüschel und einem blaublütigen Feltini® hinken mag. Nichtsdestotrotz ist der Vergleich richtig. Das Geheimnis liegt eben darin, dass in der Manufaktur lose Wollfasern vom Schaf

  • auf handwerklich höchstem Niveau,
  • unter Aufwendung allergrößten Geschickes und
  • mit bloßem Körpereinsatz

in phantastischte [sic!] Formen gebracht werden können! Diesen Formen sind wiederum keine Grenzen gesetzt, weil sich Wolle wie Ton, Salzteig oder Plastilin, modellieren lässt. Ich wiederhole diesen Gedanken, bis er sickern kann: fluffige Wolle kann in jede beliebige Form gebracht werden. Den geneigten Leser lade ich noch zu folgendem Vergleich ein, um das Gesagte zu untermauern: unter fachkundigen Händen, die exakt wissen, was sie tun, ist Wolle wie ein Barbapapa! Quasi ein kunterbunter Formenwandler! Und wem an dieser Stelle auch nur eine Figur oder Form einfällt, die ein Barbapapa nicht annehmen kann, möge sich bitte sofort mit mir in Verbindung setzen. Der Einfall wird umgehend in unserem Alchemielabor eingehend geprüft. Und bitte: Pschhhhht, nicht weitersagen, das Labor ist nämlich streng geheim! Was unterm Fade festzuhalten bleibt: Alle Filzjuwelen müssen sich das Prädikat „unverschämt schön gefilzt“ verdienen. Andernfalls gelangen sie in die Recyclingabteilung.

Wollmetamorphosen von Ludmilla I

Vorweg: Wissenschaftlich ausgedrückt ist Filz ein textiles Flächengebilde, dessen Fasern in einem chaotischen Verbund verdichtet werden. Und nein, Filz ist kein Gewebe, weil er nicht gewebt wird. Typisch österreichischer Walkloden (Lodenstoff), wie etwa in der Lodenwalke Ramsau am Dachstein hergestellt, wird zwar ähnlich verarbeitet, aber vorher gewebt. Bei der traditionellen Nassfilztechnik, wie sie überwiegend in der Filzreich®-Manufaktur zur Anwendung gelangt, wird in Verbindung mit Wasser, Seife und mechanischer Einwirkung ein gegenseitiges Durchdringen der einzelnen Schafwollfasern erreicht. Die Schuppen der Wollhaare verheddern sich infolge unlösbar ineinander. Der Faserverbund zieht sich dadurch sehr stark zusammen, soll heißen, er schrumpft, wodurch ein festes textiles Gebilde entsteht. In welchem Ausmaß die Wolle schrumpft, ist abhängig von der Provenienz des Schafes, der Wollmenge und sonstiger Parameter. Merken Sie sich einfach folgende Feltinifax-Formel:

SF = WM ÷vWM + WK2 ÷ FsG π gWKD [FsG ≠ 0]

SF = Schrumpffaktor

WM = Gesamtwollmenge des Schafes

vWM = verwendete Wollmenge

WK = Walkkraft

gWKD = gefühlte Walkkraftdauer

FsG = Fingerspitzengefühl

Im Produktionsprozess der Nassfilztechnik sind jedenfalls keine Geräte notwendig, obwohl Hilfsmittel, z.B. ein Walkholz, optional verwendet werden können. Im Vorfeld werden mitunter mehr Gerätschaften benötigt: eine Schafschurschere, einen Behälter zum Reinigen des Schafwollvlieses, das Aufbereiten desselben durch Kardieren sowie das Färben der Wolle. Diese Arbeitsschritte werden größtenteils von auswärtigen Ämtern durchgeführt. In die Manufaktur gelangt hauptsächlich naturfarbene und bunte Bergschafwolle sowie buntes Vlies vom Merinoschaf. Exotischere Wolle, wie etwa vom Zackelschaf, der Heidschnucke oder dem Wensleydale-Schaf wird, wenn auch in kleineren Quantitäten, ebenfalls verarbeitet. Für die Herstellung einer Filzbarkeit sind im Grunde, wie eingangs schon erwähnt, nicht viele Zutaten notwendig.
 
Man nehme:

  • gut filzende Schafwolle (Bergschaf, französisches Landschaf, Steinschaf)
  • warmes Wasser (vom Schloßbrunnen oder aus der filzreichschen Hochquellwasserleitung)
  • Olivenseife (bei allen Krönchen, man gönnt sich doch sonst nichts!)

Man füge hinzu:

  • Kreativität
  • Geduld
  • Geschick
  • Ausdauer
  • Spaß
  • Kraft

Da sich an der technischen Beschreibung des Produktionsprozesses Viele langweilten, wurden alle BewohnerInnen gefragt, diesen mit ihren eigenen Worten zu erklären. Alfonso von Hameln I. gelang es, ihre Erklärungen in einer Geschichte zu bündeln. Diese steht jedoch auf einem anderen Blatt.

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