Miteinander: Wir filzen eine Blumenwiese

Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, ist für Kinder besonders wichtig. Als Flüchtlingskind erlebt man diese allerdings selten. Einzig die meist kleine Kernfamilie in der Fremde ist Mittelpunkt der kindlichen Welt. Zusammengewürfelt finden sie sich in einem neuen „Zuhause“, wo nicht nur Kulturen, sondern auch Ängste aufeinanderprallen. Daher lautete der Auftrag in einem Flüchtlingshaus mittels Gemeinschaftsprojekt den Kindern spielerisch ein Gefühl des Miteinanders zu vermitteln. Eine sonnige Blumenwiese als Teppich sollte entstehen.

Abstecher auf die grüne Wiese
Einen Teppich zu filzen stellt eine große Herausforderung dar. Nicht nur, dass viel Wolle sehr dick ausgelegt werden muss, macht natürlich auch die entsprechende Fläche die Herstellung zu einer körperlich anspruchsvollen Aufgabe. Gestartet haben wir ganz entspannt damit, dass wir eine kleine Phantasiereise auf eine Blumenwiese machten. So konnten schon ein paar Motive in den Köpfen der Kinder entstehen. Danach besprachen wir den Ablauf und die einzelnen Arbeitsschritte. Die Filzgrünschnäbel unter ihnen hielten erstmals Wolle in Händen und hatten sichtlich Freude an den fluffigen Fasern. Andere filzten wiederum schon länger im Filzreich, weshalb sie schon geschickt im Umgang mit dem Material waren. Sie wussten daher schon, wie sie Vlies und Kammzug auslegen müssen, um mit der Schafwolle „malen“ zu können.

Sonnige Zeiten
Sonnige Zeiten
Profis am Werk
Profis am Werk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeitsteilung trifft gegenseitige Unterstützung 
Rasch wuchsen auf dem ausgelegten Leintuch bunte Blumen, Gras und sogar ein Baum. Sodann zogen Wolken, Vögel und eine Sonne über den Himmel. Ärgerlich nur, dass es einerseits nur eine Sonne gibt und andererseits so viele Kinder, die so gern eine eigene Sonne gemacht hätten. In der Phantasie und mit Schafwolle ist bekanntlich aber alles möglich – und so hatten wir bald viele Sonnen und sogar güldene Krönchen, die am Himmel schwebten. Es wurde eifrig Wolle gezupft, gelegt und gelacht. Und so wie jede Blumenwiese Wasser braucht, wurde auch unsere kräftig gegossen. Die Kinder wieselten wie emsige Gartenzwerge mit den Gießkannen herum und so versank die vormals trockene Wolle in wohlig warmen Wasser. Danach wurde sie gründlich eingeseift. Und war das Bewässern schon eine Hetz, wurde es durch die entstehenden „Seifenberge“ noch getoppt. Es wurde gerubbelt, gerutscht und gequietscht und dann das Filzstück schweren Herzens eingerollt. Doch der Spaß war noch nicht zu Ende!

Kleines und großes Miteinander
Jetzt waren vor allem die großen Kinder gefragt. Schließlich wiegt ein vollgesogenes Bettlaken mit knapp zwei Kilo pitschnasser Wolle mindestens so viel wie ein Hinkelstein und verlangt nach vereinten Kräften. Abwechselnd wurde nun der halb fertige Teppich quer durch den Innenhof gezogen, während die kleineren Kinder munter wie Gummibälle darauf hüpften und somit den Filzprozess noch beschleunigten. Als wir nach einer gefühlten Stunde die wollige „Biskuitroulade“ öffneten, gab’s viele laute Ahhhs und Ohhs. Im nächsten Moment jedoch Entrüstung, weil wir das Werk gleich wieder (von der anderen Seite) einrollen mussten. Nun zeigten sich die ersten Ermüdungserscheinungen. Die Kinder wechselten sich nach jeder Hofrunde ab und schließlich hatten sie es geschafft: eine lustige Blumenwiese lag zu unseren Füßen und schon begann die Suche nach den selbst ausgelegten Motiven. Der Teppich im Spielzimmer steht nun nicht nur für einen fröhlichen Nachmittag, sondern auch als Symbol dafür, dass viele Dinge gemeinsam einfach leichter und schöner werden.

Teppichroulade
Teppichroulade
Tanz mit dem Teppich
Tanz mit dem Teppich






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